Für das sportpsychologische Training und Coaching im Leistungssport stehen mittlerweile eine Vielzahl an Diagnostikinstrumenten in ganz unterschiedlichen Formaten zur Verfügung. Neben klassischen paper & pencil Fragebögen und digitale Versionen, werden zunehmend app- bzw. webbasierte Anwendungen und neue Technologien genutzt. Psychologische Testverfahren am Computer, Smartphone oder Tablet zu bearbeiten ist heute gängige Praxis.
Psychologische Open-Access Testverfahren und deutschsprachige Testarchive werden beispielsweise über die Föderation deutscher Psychologenvereinigungen und des Leibniz-Instituts für Psychologie (https://psychologie.de) angeboten. Einige Anbieter bieten wissenschaftlich fundierte digitale psychologische Testverfahren mit umfangreichen Auswertemöglichkeiten kostenpflichtig an (z.B. Hogrefe oder https://psydix.org/de/).
Für den Einsatz im Leistungssport ist die Nutzung der psychologischen Testverfahren nicht immer ohne Weiteres möglich, da die Diagnostikinstrumente größtenteils nicht im Setting des Leistungssports validiert werden. Aus diesem Grund hat das BISp im Rahmen seiner Forschungsförderung mehrere normierte und für den Leistungssport angelegte sportpsychologische Diagnostikverfahren für die Erfassung von Wettkampfangst, Motivation, Volition, Handlungsorientierung sowie zum Pausenverhalten von Trainerinnen und Trainern in Wettkampfsituationen entwickeln lassen.
Wettkampfangst
Fragebogen
Kurzbeschreibung
Wettkampf-Angst-Inventar State(WAI_S):
Ein sportpsychologischer Kurzfragebogen zur Messung des wettkampfbezogenen Angstzustands von Sportlerinnen und Sportlern
Wettkampf-Angst-Inventar Trait(WAI_T):
Ein sportpsychologischer Kurzfragebogen zur Messung von Wettkampfängstlichkeit von Sportlerinnen und Sportlern
Brand, R., Ehrelenspiel, F. und Graf, K. (2009). Wettkampf-Angst-Inventar (WAI). Köln: Sportverlag Strauß
Beim Erleben von Wettkampfsituationen lassen sich zwei "Ebenen" unterscheiden: "Ängstlichkeit" bezeichnet die generelle Neigung, in Wettkampfsituationen mit entsprechendem Verhalten (z.B. Schwitzen, Sorgen, Konzentrationsstörungen) zu reagieren, während der "Angstzustand" die akute momentane körperliche und psychische Reaktion in einer konkreten Situation darstellt.
Der Kurzfragebogen WAI_S mit seinen 12 Fragen bietet sportpsychologischen Expertinnen und Experten die Möglichkeit, die Ausprägung des Angstzustands von Sportlerinnen und Sportlern bezogen auf einen konkreten bevorstehenden Wettkampf zu messen. Der Fragebogen schließt inhaltlich an eine entsprechende englischsprachige Entwicklung, dem Competitive Anxiety Inventory (CSAI-2) von Martens et al. (1990) an. Das WAI_S (Ehrlenspiel, Brand und Graf, 2009) umfasst zwölf Items, von denen jeweils vier den Subskalen somatische Angst, Besorgnis und Zuversicht zugeordnet sind.
2023 wurde der WAI_S evaluiert und revidiert von Luan, Heine und Ehrlenspiel. Für weiterführende Informationen siehe hier.
Der Kurzfragebogen WAI_Tbietet sportpsychologischen Expertinnen und Experten die Möglichkeit, die Neigung von Sportlerinnen und Sportlern zu messen, vor Wettkampfsituationen gewöhnlich mit Anzeichen von Angst zu reagieren. Der Fragebogen schließt inhaltlich an eine entsprechende englischsprachige Entwicklung, die Sport Anxiety Scale (SAS)), von Smith, Smoll und Schutz (1990) an. Das WAI_T (Brand, Graf und Ehrlenspiel, 2009) umfasst zwölf Items, von denen jeweils vier den Subskalen somatische Angst, Besorgnis und Konzentrationsstörung zugeordnet sind.
Die Fragebögen sowie detaillierte Angaben zur Testkonstruktion und Testgüte finden sich im Manual Wettkampfangstinventar Sport (WAI) von Brand, Ehrlenspiel und Graf (2009).
Motivation, Volition, Handlungs- und Leistungsorientierung
Fragebogen
Kurzbeschreibung
Sport Orientation Questionnaire (SOQ):
Fragebogen zur Bestimmung der Sportlichen Leistungsorientierungen
Elbe, A.-M., Wenhold, F. und Beckmann, J. (2009). Sport Orientation Questionnaire (SOQ). Köln: Sportverlag Strauß
Der Sport Orientiation Questionnaire (SOQ) ermöglicht Aussagen darüber, welche Bezugspunkte eine Athletin / ein Athlet wählt, um ihre / seine sportliche Leistung zu beurteilen. Der SOQ wurde 1988 von Gill und Deeter publiziert und 2001 von Prof.'n Dr. Anne-Marie Elbe ins Deutsche übersetzt als Fragebogen zur Bestimmung der Sportlichen Leistungsorientierungen. Ziel des SOQ ist es, individuelle, sportspezifische Unterschiede in der Leistungsorientierung zu bestimmen.
Insgesamt besteht der SOQ aus 25 Items mit drei Unterskalen zur Wettkampforientierung (13 Fragen), Sieg–/Gewinnorientierung (6 Fragen) und Zielorientierung (6 Fragen).
Der Fragebogen sowie detaillierte Angaben zur Testkonstruktion und Testgüte finden sich im Manual zum Sport Orientation Questionnaire (SOQ) von Elbe, Wenhold und Beckmann (2009).
Fragebogen zum Leistungsmotiv im Sport (AMS-Sport)
Wenhold, F., Elbe, A.-M. und Beckmann, Jürgen (2009). Fragebogen zum Leistungsmotiv im Sport (AMS-Sport). Köln: Sportverlag Strauß
Die Achievement Motives Scale-Sport (Elbe und Wenhold, 2005; Elbe et al., 2005) ist ein Fragebogen, der die beiden Leistungsmotivkomponenten Hoffnung auf Erfolgund Furcht vor Misserfolgmit jeweils 15 Fragen für die Langversion und jeweils 5 Fragen für die Kurzversion erfasst. Beide Komponenten können bei einer Person gleichzeitig hoch bzw. niedrig ausgeprägt sein. Einen Hinweis über die Motivtendenz, d.h. ob eine Person eher erfolgszuversichtlich oder misserfolgsängstlich ist, liefert dieNettohoffnung. Zudem kann das GesamtleistungsmotivHinweise zur Stärke des Leistungsmotivs geben.
Grundlage der AMS-Sport ist die deutsche Fassung (Göttert und Kuhl, 1980) der Achievement Motives Scale von Gjesme und Nygard (1970). Das Anliegen des adaptierten sportspezifischen Fragebogen AMS-Sport ist eine getrennte Erfassung der beiden Leistungsmotivkomponenten Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolgin Sportsituationen.
Der Fragebogen sowie detaillierte Angaben zur Testkonstruktion und Testgüte finden sich im Manual Fragebogen zum Leistungsmotiv im Sport (AMS-Sport) von Wenhold, Elbe und Beckmann (2009).
Fragebogen zur Handlungsorientierung im Sport (HOSP)
Beckmann, J. und Wenhold, F. (2009). Fragebogen zu Handlungsorientierung im Sport (HOSP). Köln: Sportverlag Strauß
Der Handlungsorientierungsfragebogen-Sport (HOSP) wurde konzipiert, um die Handlungsorientierung im Sport zu erfassen. Dafür wurden in Anlehnung an die allgemeine Version von Kuhl (HAKEMP 90, 1990) sportspezifische Aussagen neu formuliert. Athletinnen und Athleten mit einer hohen Handlungsorientierung sind in der Lage, alle mentalen Prozesse auf den Handlungsvollzug auszurichten, während Athletinnen und Athleten mit einer niedrigen Ausprägung sich beim Handlungsvollzug über zukünftige, gegenwärtige und vergangene Dinge Gedanken machen. In diesem Fall wird auch von einer Lageorientierung gesprochen (Kuhl, 1983).
Der Fragebogen misst die Handlungsorientierung in drei Bereichen nach Misserfolg (HOM; 12 Fragen), bei der Handlungsplanung/-entscheidung (HOP; 12 Fragen) und während der erfolgreichen Tätigkeitsausführung(HOT; 12 Fragen).
Der Fragebogen sowie detaillierte Angaben zur Testkonstruktion und Testgüte finden sich im Manual Fragebogen zu Handlungsorientierung im Sport (HOSP) von Beckmann und Wenhold (2009).
Fragebogen zu Volitionalen Komponenten im Sport (VKS)
Wenhold, F., Elbe, A.-M. und Beckmann, J. (2009). Volitionale Komponenten im Sport (VKS). Köln: Sportverlag Strauß
Der Fragebogen "Volitionale Komponenten im Sport" (VKS) wurde konzipiert, um Fertigkeiten und Defizite im Bereich der Selbststeuerung bzw. des Willens speziell für den Sport zu erfassen. Dafür wurden in Anlehnung an die allgemeine Version "Volitional Components Questionnaire" (VCQ; Kuhl und Fuhrmann, 1998) bzw. im deutschen Sprachraum an das "Selbststeuerungsinventar" (SSI; Fröhlich und Kuhl, 2003) sportspezifische Aussagen formuliert, die sich auf den Sport allgemein sowie spezifisch auf die Trainings- und Wettkampfsituation beziehen.
Der Fragebogen umfasst den Fertigkeitsfaktor Selbstoptimierung (SO; 29 Fragen) sowie die Defizitfaktoren Selbstblockierung(SB; 9 Fragen), Aktivierungsmangel (AM; 13 Fragen) und Fokusverlust (FV; 9 Fragen).
Der Fragebogen sowie detaillierte Angaben zur Testkonstruktion und Testgüte finden sich im Manual Volitionale Komponenten im Sport: Fragebogen zu Fertigkeiten und Defiziten in der Selbstregulation) von Beckmann, Wenhold und Elbe (2009).
Pausenverhalten von Trainerinnen und Trainern im Wettkampf
Fragebogen
Kurzbeschreibung
Pausenverhaltensfragebogen zum Trainerverhalten in Wettkampfpausen aus Sicht der Sportlerin / des Sportlers
(PVF-Sportler: PVF-SP, PVF-ATH)
Pausenverhaltensfragebogen zum Trainerverhalten in Wettkampfpausen aus Sicht der Trainerin / des Trainers
(PVF-Trainer: PVF-TR M, PVF-TR I)
Kellmann, M. und Weidig, T. (2010). Pausenverhaltensfragebogen (PVF) - Manual. Köln: Sportverlag Strauß
Eine optimale Nutzung der Wettkampfpause setzt ein adäquates Verhalten der Trainerinnen und Trainer voraus. Zwei Aspekte sind dabei von besonderer Bedeutung für Trainerinnen und Trainer: zum einen das Wissen um die Bedeutung der Pause als integraler Bestandteil der Leistungsoptimierung und zum anderen die Kompetenz, die Pause in einer Form zu gestalten, die Sportler und Sportlerinnen zum Abrufen ihrer maximalen Leistungsfähigkeit im weiteren Wettkampf befähigt. Diese Wissens- und Handlungskompetenz ist notwendige Voraussetzung für ein situationsgerechtes, leistungsförderndes Trainerverhalten.
Der Pausenverhaltensfragebogen (PVF) ermöglicht es, eine Aussage über die Handlungskompetenz von Trainern und Trainerinnen in Wettkampfpausen zu treffen. Der Abgleich tatsächlichen Trainerverhaltens mit notwendigem Trainerverhalten kann Verhaltensstärken und -schwächen aufzeigen und Ausgangspunkt eines sportpsychologischen Trainercoachings sein.
Der PVF erfasst u.a. das Pausenverhalten von Trainerinnen und Trainern aus der Perspektive des Sportlers / der Sportlerin sowie der Trainerin / des Trainers getrennt für Mannschafts- (PVF-SP, 44 Items) und Individualsportarten (PVF-ATH, 40 Items).
Die Bearbeitungsdauer beträgt etwa 10 Minuten für jeden Fragebogen.
Die Fragebögen sowie detaillierte Angaben zur Testkonstruktion und Testgüte finden sich im Manual von Kellmann, M. und Weidig, T. (2010). Pausenverhaltensfragebogen (PVF) - Manual. Köln: Sportverlag Strauß.
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